Presseschau DSC - HSV

  • SZ-Online vom 26.10.02


    10. Spieltag

    Zukunft von Jara wieder ungewiss

    Fußball-Bundesligist Hamburger SV bleibt in fremden Stadien ein Punktelieferant.


    Die Hanseaten kassierten im fünften Auswärtsspiel der Saison durch ein 1:2 (0:1) bei Aufsteiger Arminia Bielefeld die fünfte Pleite und warten seit nunmehr 217 Tagen auf einen Punkt auf des Gegners Platz. Durch die Niederlage wird die Zukunft von Trainer Kurt Jara wieder verstärkt in Frage gestellt.


    Bielefeld festigte durch den vierten Heimsieg seinen Mittelfeldplatz und bescherte Trainer Benno Möhlmann drei Tage nach dessen zweitem Jahrestag als Arminen-Trainer ein nachträgliches Jubiläumsgeschenk.


    Diabang traf zweimal


    Gefeierter Mann des Tages war Stürmer Momo Diabang, der mit seinen Toren Nummer vier und fünf (14. und 57.) den HSV förmlich im Alleingang erledigte. Vor 26.600 Zuschauern auf der ausverkauften Alm hatten die Gäste zwar mehr vom Spiel, blieben aber im Abschluss schwach. Weiterer Wermutstropfen für den HSV: Sergej Barbarez erhielt wegen Foulspiels die gelb-rote Karte. Symptomatisch für die Hamburger Schwäche vor dem Tor verzog der Argentinier Bernardo Romeo in Durchgang eins gleich dreimal aus aussichtsreicher Position. Pech hatte Milan Fukal, der Arminia-Torwart Mathias Hain aus fünf Metern Mitten ins Gesicht traf (22.).


    HSV-Coach Jara hatte für den verletzten Stephan Kling (Knieprobleme) den seit sechs Wochen auf die Tribüne verbannten Bernd Hollerbach in die Mannschaft geholt und für Mehdi Mahdavicia (Hexenschuss) den Vertragsamateur Collin Benyamin gebracht. Der Namibier erwies sich als echte Bereicherung für das Hamburger Spiel. Er war mit seinen offensiven Vorstößen bester Spieler der Norddeutschen. Jara hatte zunächst auch auf Erik Meijer verzichtet, der in der Vorwoche das Siegtor gegen Mönchengladbach erzielt hatte, und auch auf der Alm zum 1:2 (66.) traf.


    Brinkman schied früh aus


    Bielefelds Trainer Benno Möhlmann, der die Gäste zwischen 1992 und 1995 103-mal in der Bundesliga betreute, hatte zunächst auf Diabang verzichtet. Doch eine frühe Verletzung von Ansgar Brinkmann (11.) zwang Möhlmann dazu, den Senegalesen Diabang ins Spiel zu bringen. Eine Tatsache, die sich als Glückgriff erwies. Nur drei Minuten nach seiner Einwechslung brachte er Arminia per Kopf in Führung, nachdem HSV-Schlussmann Martin Pieckenhagen zuvor mit einer misslungenen Faustabwehr patzte.


    Bei der Arminia gefielen naben dem zweifachen Torschützen vor allem Mittelfeldspieler Christoph Dabrowski und der quirlige Angreifer Fathmir Vata. Benyamin war Hamburgs Bester. Neben ihm gefielen Fukal und Barbarez in Ansätzen.


    (sueddeutschede/sid)

  • Bielefelder Diabang köpft zum 2:1-Sieg gegen den HSV


    Bielefeld (dpa) - Arminia Bielefeld etabliert sich als eine der heimstärksten Mannschaften der Fußball-Bundesliga. Mit dem 2:1 (1:0)- Sieg gegen den Hamburger SV gelang dem Aufsteiger im fünften Spiel vor eigenem Publikum bereits der vierte Sieg und damit der Sprung auf Rang neun.


    Vor 25 169 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Stadion «Auf der Alm» erzielte Mamadou Diabang in der 14. und 57. Minute zwei Kopfballtreffer für die Arminen. Für den Mann aus dem Senegal waren es die Saisontore Nummer vier und fünf. Beim HSV wackelt der Stuhl von Trainer Kurt Jara nach der fünften Niederlage im fünften Auswärtsspiel wieder. Für Hamburg verkürzte der eingewechselte Erik Meijer in der 66. Minute auf 1:2.


    «Ich bin sehr enttäuscht. Wir haben ein gutes Spiel gemacht und waren zeitweise die bestimmende Mannschaft», sagte der resignierte Jara nach den 90 Minuten. Sein Bielefelder Kollege Benno Möhlmann brach wegen der phasenweise fehlenden spielerischen Reife der Arminen trotz des Erfolgs nicht in Jubel aus: «Ich bin froh, dass unsere kämpferische Leistung belohnt worden ist.» Mit 14 Punkten liegt die Arminia absolut im Soll.


    Bei der Premiere als Arminen-Trainer gegen seinen ehemaligen Club aus Hamburg musste Möhlmann früh wechseln: Bereits in der 11. Minute ging Ansgar Brinkmann verletzt vom Feld - was für die Bielefelder zu einem glücklichen Umstand wurde. Denn Brinkmann-Ersatz Diabang traf nur drei Minuten nach seiner Einwechslung zur 1:0-Führung, die der Torjäger in der zweiten Spielhälfte sogar noch ausbaute. Dabei hatten die Hanseaten über 90 Minuten durchweg die größeren Spielanteile. Doch zumindest vor dem Meijer-Treffer machten die auswärtsschwachen Hanseaten viel zu wenig aus ihren Möglichkeiten.


    Als die Arminia 1:0 führte, verhinderte Bielefelds Torhüter Mathias Hain in der 22. Minute den Ausgleich. Milan Fukal traf den Bielefelder Schlussmann bei einem Volleyschuss aus kurzer Entfernung so am Kopf, dass Hain sekundenlang benommen liegen blieb. Hain konnte weiter spielen, nicht aber Sergej Barbarez: Schiedsrichter Helmut Fleischer schickte ihn in der 70. Minute mit der Gelb-Roten Karte wegen eines wiederholten Foulspiels an Hain frühzeitig unter die Dusche.


    Der letzte Auswärtssieg der Hamburger liegt nun schon sehr lange zurück: Am 19. April siegte der HSV, allerdings in der eigenen AOL- Arena, beim Ortsnachbarn und späteren Absteiger FC St. Pauli mit 4:0. Die andauernde Auswärtsschwäche lässt Jara nicht zur Ruhe kommen. Noch vor der Partie hatte der HSV-Coach geradezu inständig um ein Erfolgserlebnis vor fremdem Publikum gefleht - doch es half wieder nichts. Die Hamburger blieben zumeist überlegen, aber ohne Fortune. Der Erfolg der Bielefelder war dennoch verdient, denn die Ostwestfalen überzeugten wie schon in den bisherigen Heimspielen mit großem kämpferischen Einsatz.



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  • Gut verloren
    Hamburg geht auswärts leer aus – diesmal 1:2 in Bielefeld


    Von Karsten Doneck/Tagesspiegel


    Bielefeld. Wenn der Publikumsliebling vorzeitig abtritt, dann beklagt der heimische Anhang mitunter schon mal einen beträchtlichen Spaßverlust. Dass in Bielefeld kurz nach Beginn Ansgar Brinkmann, der bei der Armina für den Spaßfaktor zuständig ist, verletzt ausschied, verschmerzten die Zuschauer diesmal allerdings leichten Herzens. Dank Momo Diabang. Der Senegalese, vor gut einem Jahr vom Bremer Klub FC Oberneuland gekommen, machte mit zwei Toren, das erste nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung, den 2:1 (1:0)-Sieg über den Hamburger SV perfekt. Durch Diabangs Saisontore Nummer vier und fünf blieb der HSV auch in seinem fünften Saisonspiel auf fremdem Platz ohne Punktgewinn.


    Das Ergebnis korrespondierte nicht so recht mit dem Spielverlauf. Bielefeld schoss die Tore, stürmen tat fast ausnahmslos der HSV – mitten hinein ins Verderben.


    „Wir haben viel Glück gehabt“, sagte Arminias Trainer Benno Möhlmann. Kurt Jara, sein Kollege vom HSV, bestätigte diese Spieleinschätzung. „Es war unsere beste Auswärtsleistung bisher“, sagte er. Allerdings: Die Gäste wurden auf der Alm vor 25 169 Zuschauern in spielentscheidenden Szenen derart vorgeführt, als hätten sie nicht begriffen, dass im Fußball auch Konterspiel erlaubt ist und manchmal auch – wie beim 1:0 für die Gastgeber – Tore nach Freistößen fallen.


    „Man hat gesehen, dass unsere Mannschaft wollte“, sagte HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer. Das klingt genügsam. Dahinter versteckt sich viel Frust. Beispiel Sergej Barbarez: Der Hamburger Torjäger legte sich nach einer Freistoßentscheidung für Bielefeld im Mittelfeld mit Schiedsrichter Helmut Fleischer an. Kopf an Kopf, Auge in Auge lieferten sich beide ein heftiges Wortgefecht. Berechtigter Ausgang des Disputs: Gelb für den Hamburger. Doch Barbarez meckerte immer weiter und klatschte dem Unparteiischen abfällig Beifall. Das Ergebnis all dessen war nicht überraschend. 20 Minuten vor Schluss, der HSV hatte durch Erik Meijer kurz zuvor auf 1:2 verkürzt und hegte noch Hoffnung auf den ersten Auswärtspunkt, sprang Barbarez den gegnerische Torwart Mathias Hain übermotiviert an, sah dafür sofort Gelb-Rot. Und weil Barbarez nun auf dem Feld niemanden mehr hatte, mit dem er herumzanken konnte, legte er sich beim Abgang mit den Zuschauern an. „Er geht eben immer mit starken Emotionen auf den Platz“, meinte HSV-Trainer Kurt Jara.


    Der HSV muss als Nächstes wieder auswärts antreten, in Dortmund, beim Deutschen Meister. Knapp 70 000 Zuschauer kommen da. Hoffnungslos für den HSV? Trainer Kurt Jara sagt: „Die 70 000 spielen ja nicht gegen uns Fußball, auch da stehen doch nur elf Gegenspieler auf dem Platz.“ Wie in Bielefeld. Und auch da hat der HSV verloren.

  • NW; 28.10.2002: DSC-Splitter


    Bescheiden - Bedroht


    Jeweils ein paar Sekunden im ZDF nach dem 0:0 in Dortmund und nach dem 2:1 über den HSV, nicht ein einziger Bildbeleg zum Unentschieden beim BVB gar im Regionalsender WDR - die Arminia spielt in einigen visuellen Medien so gut wie keine Rolle. Bei so viel TV-Abstinenz hielten es leider die zu bescheidenen Vereins-Verantwortlichen nicht für angebracht, auf eine Sendung hinzuweisen, die ganz im Zeichen des DSC stand: Die DSF-Viererkette beschäftigte sich am Freitagabend in Anwesenheit von Bielefelds Geschäftsführer Sport, Thomas von Heesen, eine Stunde lang mit der Vorberichterstattung auf das Spiel Arminia - Hamburg.
    Bedroht


    Arminias Mittelfeldrackerer Rüdiger Kauf hat die Chance, in die Annalen der Saison 2002/03 einzugehen. Nachdem er gegen den HSV die gelbe Karte gesehen hat, gehört er nun zu den insgesamt neun Spielern, die als Serien-Sünder mit je vier Verwarnungen von einer Sperre bedroht sind.

  • NW; 28.10.2002: Vorfahrt für Momo

    Zweifacher Torschütze nach 2:1-Sieg ohne Star-Allüren


    VON PETER BURKAMP


    Bielefeld. Der Dank an Gott wird diesmal länger ausgefallen sein. Für einen Sieg, am liebsten mit einem Tor von ihm selbst, hatte Momo Diabang vor dem Heimspiel gegen den HSV gebetet. Er ist erhört worden. Am Ende traf der gläubige Moslem sogar zweimal, feierte nicht nur den wichtigen 2:1-Sieg über die Hanseaten, sondern auch seinen ersten Bundesliga-Doppelpack mit einem Tänzchen an der Seitenlinie.
    Mamadou Lamine Diabang aus dem Senegal ist drauf und dran, sich in die Herzen der Arminenfans zu spielen. Mit fünf Toren führt er die interne Torjägerliste an, im Ligavergleich liegt er auf einer Höhe mit dem Herthaner Marcelinho und dem Bremer Angelos Charisteas auf Rang zehn.


    Und dabei ist Diabang bei Arminia nicht immer erste Wahl. "Momo ist sehr talentiert. Er hat uns schon sehr geholfen und soll das auch weiter tun. Aber ich werde ihn weiter so einsetzen, wie ich es für richtig halte und wie wir es miteinander abgesprochen haben", sagt DSC-Trainer Benno Möhlmann. Der Mann, der von allen nur Momo gerufen wird, akzeptiert diese Haltung. "Ich kann doch nicht sagen: Trainer, stell' mich auf. Die Begründungen von Möhlmann verstehe ich."


    Dass er nun verstärkt ins Rampenlicht der Fußball-Showbranche rückt, hat dem bescheidenen Charakter noch nicht geschadet. "Ich bin ein einfacher Spieler und nicht der Star", sagt Diabang und lacht dabei unsicher. Auf und neben dem Platz besticht der Erstliganovize durch seine Unbekümmertheit. Die regelmäßigen Einsätze in Deutschlands höchster Liga haben ihm nach eigener Aussage Selbstvertrauen gegeben.


    "Ich bin ganz stark im Kopfballspiel"


    In Dortmund ließ er sich von Vizeweltmeister Metzelder nicht beeindrucken, gegen den HSV ließ er seinen Bewacher bereits 90 Sekunden nach seiner Einwechslung schlecht aussehen. Diabang hat das, was man mit Torriecher beschreibt. Bei Tor eins passte er exakt die kluge Hereingabe von Christoph Dabrowski ab.


    Bei Tor zwei erwischte er Artur Wichniareks noch abgefälschte Vorlage vor einem Hamburger Gegenspieler. Diabang spielt mit Köpfchen und mit Kopf. Für ihn selbst ist das keine Überraschung: "Ich bin ganz stark im Kopfballspiel", betont er voller Überzeugung. Schon Hermann Gerland hatte die Qualitäten des Senegalesen erkannt: "Der kann laufen und köpfen", habe er zu Manager Heribert Bruchhagen gesagt, als Diabang im Sommer 2002 beim Training vorspielte.


    Damals war er billig zu haben. In den anstehenden Vertragsverhandlungen wird Diabang höhere Ansprüche stellen können. "Ich würde gern bleiben", sagt er mit Blick auf ein funktionierendes Umfeld. Auch in der Heimat werde seine Entwicklung genau verfolgt, berichtet Diabang. Zwar stünden derzeit keine Länderspiele an. Spätestens zur Qualifikation für den Afrika-Cup hofft er aber auf eine Einladung.


    Ob er dann schon selbst zum Flughafen fahren wird, vermag Diabang nicht zu sagen. Drei oder vier Mal ("Ich weiß gar nicht genau, wie oft") sei er nun schon durch die theoretische Fahrprüfung gefallen. "Ich kann mich nicht so gut konzentrieren und irgendwann habe ich dann keinen Bock zu lernen", räumt Diabang ein. Trotzdem hofft er in Kürze nicht nur auf dem Platz, sondern auch auf der Straße Vorfahrt zu haben.


    BILD: Kommt ein Torjäger geflogen: Vor seinem Gegenspieler Michael Baur köpft Momo Diabang den Ball zur 1:0-Führung für die Bielefelder gegen den HSV ins Netz. FOTO:WOLFGANG RUDOLF

  • NW; 28.10.2002: So wird Rüpel Barbarez nie Hamburgs große Liebe

    HSV-Trainer Kurt Jara gerät nach fünfter Auswärtsniederlage immer stärker unter Druck


    VON PETER BURKAMP


    Bielefeld. Der harte Kern der HSV-Fans ist Kummer gewöhnt. Vier Mal haben sie in dieser Saison nun schon "ihre Liebe", wie sie es plakativ auf der Alm ausdrückten, in die Fremde begleitet. Und stets wurde ihre Zuneigung wie auch in Bielefeld bitter enttäuscht. Gegen die spielerisch wenig überzeugenden Arminen stellte der HSV die kriselnde Beziehung erneut auf eine harte Probe. Als Torwart Martin Pieckenhagen zum zweiten Mal hinter sich greifen musste, war es endgültig vorbei mit der Fan-Geduld.
    Der Zorn richtete sich gegen den Trainer. "Jara raus", skandierten die Hanseaten, und sie waren in ihrer Wut nicht allein. Der Frust darüber, einen alles andere als dominierenden Gastgeber nicht schlagen zu können, ließ Sergej Barbarez ausrasten. Der schon wegen Meckerns verwarnte HSV-Angreifer wuchtete seine 1,88 Meter so aggressiv in DSC-Keeper Hain, dass Schiedsrichter Fleischer ihn konsequenter Weise vom Platz stellte. Bei seinem Abgang legte sich Barbarez noch mit den Bielefelder Fans und herbeigeeilten Fotografen an. Nicht einmal nach dem Duschen hatte sich seine Aggression gelegt. Einem Fernsehreporter fuhr er erst über den Mund ("Halt die Schnauze, Mann") dann drohte er ihm noch Hiebe auf denselben an.


    Erst als der Gescholtene dem Sprichwort gemäß als Klügerer nachgab und von dannen zog, gelang es Barbarez, die Gedanken auf die eigene Situation und die des Vereins zu lenken. Selbstkritik war dabei nicht zu spüren. "Wenn der Schiedsrichter solche Fouls mit Gelb bestraft, spielen wir am Ende doch jedesmal nur noch sechs gegen sechs", moserte Barbarez.


    Zu Zehnt jedenfalls hatte der HSV gegen die stärker werdenden Arminen im zweiten Spielabschnitt nicht mehr viel auszurichten. "In der Schlussphase haben wir es mit der Brechstange versucht. Vorher haben wir ganz ordentlich gespielt", klagte Torschütze Erik Meijer, dem es weh tat, dass "Arminia zwei gute Chancen hat und daraus zwei Tore macht". In der Medienstadt Hamburg wächst nun der Druck auf das fußballerische Aushängeschild. Die Boulevardblätter werden schärfere Geschütze auffahren als die Hand voll Fans, die kurzzeitig den Hamburger Bus an der Abfahrt hinderte. "Der Trainer steht in solchen Momenten immer in der Schusslinie", weiß Kurt Jara.


    Der HSV-Coach sah jedoch in der Leistung seiner Elf einen Aufwärtstrend und keinen Grund für einen Kurswechsel. "Man darf dem Trainer keinen Vorwurf machen", meinte Sergej Barbarez: "Das war unser bestes Auswärtsspiel." Insgesamt sei der HSV auf einem guten Weg: "Uns fehlen nur die Punkte." Wenn diese, was nicht ganz abwegig ist, auch in Dortmund ausbleiben, dürften die Rufe nach einem neuen Trainer noch lauter werden. Und Barbarez wird sich überlegen, ob er nicht das angeblich vorliegende Angebot eines Londoner Klubs annimmt. Dort stimmt nicht nur das Geld, es wird bekanntlich auch körperbetonter gespielt.


    BILD: Lass mich in Ruhe:Nach seiner Hinausstellung war Sergej Barbarez nicht zu bremsen und legte sich mit Reportern an. FOTO: W. RUDOLF

  • NW; 28.10.2002: Arminia machts mit Köpfchen

    Starke kämpferische Leistung der Bielefelder wird mit 2:1-Sieg über den HSV belohnt


    VON RAINER KLUSMEYER


    Bielefeld. In der 89. Minute verteilt Benno Möhlmann die Höchststrafe: Raus mit dem Mann, der während des Spiels eingewechselt worden ist. Die 23.000 Bielefelder Fans unter den 25.169 Augenzeugen dieses Momentes erheben sich von den Plätzen, um die Maßnahme des Trainers zu bejubeln. Das vorzeitige Ausscheiden von Mamadou-Lamine Diabang, den alle nur Momo nennen, gibt die willkommene Gelegenheit, dem Matchwinner mit nicht enden wollendem Beifall für zwei herrliche Kopfballtore zu danken. Mitten in den Jubelsturm platzt der Schlusspfiff von Dr. Helmut Fleischer - der 2:1 (1:0)-Sieg des DSC Arminia über den Hamburger SV ist perfekt.
    "Hochzufrieden" (Geschäftsführer Finanzen Roland Kentsch), "froh" (Trainer Möhlmann) und "erleichtert" (Stürmer Artur Wichniarek) zeigte sich die gastgebende schwarz-weiß-blaue Fraktion mit dem Resultat. "Sehr enttäuscht" (Coach Kurt Jara) und "frustriert" (HSV-Torschütze Erik Meijer) präsentierte sich das schwarz-weiß-blaue Gästegemüt.


    So unterschiedlich die Gefühlswelten, so einheitlich die Bewertung des eine Halbzeit lang unansehnlichen, danach zumindest spannenden und emotionsgeladenen Geschehens auf dem Alm-Rasen. Die HSV-Niederlage war unglücklich und "tat mehr weh als die bisherigen vier Auswärtsniederlagen, weil wir um jeden Meter Boden gekämpft haben und unsere beste Auswärtsleistung gezeigt haben", wie Jara meinte.


    Der DSC-Sieg ging "insgesamt in Ordnung", wie Arminias Geschäftsführer Sport Thomas von Heesen befand, da das 2:1 "unsere kämpferische Leistung belohnte" (Möhlmann). Fußballerisch, daran ließ auch der erfolgreiche Bielefelder Coach keinen Zweifel, "haben wir vor allem in der ersten Halbzeit nicht an die gute Leistung des Dortmunder Spiels anknüpfen können".


    Zwar hatte sich die Arminia dank des Kopfballtores von Momo Diabang - der Senegalese war gerade 90 Sekunden für den mit einer Wadenprellung ausgeschiedenen Ansgar Brinkmann auf dem Feld - nach Maßflanke von Christoph Dabrowski in der 14. Minute die frühe Führung erarbeitet. Doch aus "einer Ausgangsposition, die den Bielefeldern auf den Leib geschneidert ist", von DFL-Vorstandsmitglied und früherer DSC-Manager Heribert Bruchhagen nach vierfachem Besuch von Arminia-Spielen treffend analysiert, vermochten die Gastgeber bis zur Pause keinerlei Sicherheit zu gewinnen.


    Mit viel Glück, beispielsweise bei Mathias Hains unfreiwilliger Gesichts-Parade gegen einen Volleyschuss von Milan Fukal (20.), rettete der Aufsteiger, taumelnd wie ein angeschlagener Boxer, den Vorsprung in die Kabine. Dort änderte Möhlmann "zwei, drei Sachen" - und schon gelang es, "die Konter schneller und gezielter anzusetzen".


    Nach Meijers Anschlusstor steht das Spiel auf der Kippe Am temporeichsten und geradlinigsten in der 58. Minute: Hains Abwurf erreicht Artur Wichniarek, dessen 40-Meter-Sprint auf der rechten Seite führt vorbei an drei HSV-Statisten und mündet in einer hohen Hereingabe, die Momo Diabang per Kopf zum 2:0 verwertet.


    Zwar steht das Spiel nach Erik Meijers Anschlusstor (66.) "noch einmal auf der Kippe" (Möhlmann). Doch mit der berechtigten Hinausstellung von Sergej Barbarez, der sich nach einer überflüssigen Attacke gegen Mathias Hain eine gelb-rote Karte sowie den Trainerrüffel "Sehr klug hat er sich da nicht angestellt" einhandelt, erhalten die Hamburger Bemühungen um die Rettung eines Punktes in der 71. Minute den entscheidenden Rückschlag. Bei hohen Bällen auf den Riesen Meijer, der Arminias Luftduell erprobten Kapitän Bastian Reinhardt alles abverlangt, droht weiter stets Gefahr. Doch die nun eindeutig besseren Chancen hat Arminia, die es versäumt, einen der zahlreichen Überzahlkonter zum Nerven beruhigenden 3:1 zu nutzen.


    In Anbetracht des glücklichen Spielausganges verschmerzbar. Ein Blick auf die Tabelle lässt den Sieg in noch strahlenderem Licht erscheinen: 14 Punkte aus zehn Spielen, Mittelfeldplatz zehn erreicht und, vor allem, fünf Zähler Vorsprung auf Abstiegsrang 16 - "das ist schon okay", findet in gewohnter Zurückhaltung Benno Möhlmann.


    Tore: 1:0 Diabang (14.) Kopfball nach Flanke von Dabrowski, 2:0 Diabang (58.) Kopfball nach Flanke von Wichniarek, 2:1 Meijer (66.) Flachschuss nach Vorarbeit von Benyamin


    Zuschauer: 25.169


    Schiedsrichter: Dr. Helmut Fleischer (Hallstadt, Note 2)


    Gelbe Karten: Kauf (4) - Fukal (3), Hollerbach (3), Kitzbichler


    Gelb-Rote Karte: Barbarez wegen wiederholten Foulspiels (71.)


    Rote Karte: -


    Auswechselungen, bei Arminia: Diabang (2) für Brinkmann (11.), Cha für Wichniarek (70.), Porcello für Diabang (89.); beim HSV: Meijer (3) für Rahn (18.), Kitzbichler (4) für Baur (58.), Heinz für Hoogma (82.).


    BILD: Alles Kopfsache: Bastian Reinhardt geht in luftiger Höhe der Arbeit nach, Erik Meijer (re.) und Nico-Jan Hoogma staunen. FOTO: WOLFGANG RUDOLF

  • Aufstand der HSV-Fans 
    Ärger. Die Anhänger belagern den Teambus, verbale Attacken gegen Jara und Hackmann.

    Von Christian Pletz


    Bielefeld - Wenn nicht in Bielefeld, wo dann? Der HSV bleibt die einzige Bundesligamannschaft ohne Punktgewinn in der Fremde. Seit sieben Monaten tritt der Club seine Heimreisen nun schon ohne zählbaren Erfolg an: ein Armutszeugnis. Trotz der bislang besten Auswärtsleistung schlich die Mannschaft auch in Bielefeld enttäuscht vom Spielfeld. Dem bitteren 1:2 folgte das übliche Prozedere - mit einer entscheidenden Neuerung. Den treuen Fans - auf der Bielefelder Alm unterstützten den HSV wieder rund 5000, die 70 Minuten lang sangen: "Wir wolln Hamburg siegen sehn, oh wie wär das wunderschön" - riss am Ende der Geduldsfaden.


    Mehr als 50 von ihnen rotteten sich nach der Pleite vor dem Teambus zusammen. Sie verhinderten zunächst die Abfahrt der Mannschaft, kritisierten die Spieler lautstark ("Wir sind Hamburger und ihr nicht") und forderten immer wieder den Rauswurf des Trainers Kurt Jara und des Vorstandsvorsitzenden Werner Hackmann.


    Unter Polizeischutz wurden die HSV-Spieler in ihren Bus geleitet. Nur wenige (wie Sergej Barbarez) stellten sich dem aufgebrachten Publikum, einige Male drohte die Lage sogar zu eskalieren. Torwart Martin Pieckenhagen, der verbal angegriffen und dabei mehrfach provoziert wurde, verschwand frustriert im Bus: "Ihr könnt mich alle mal!" Die Nerven beim HSV liegen blank. Der dritte Vorstandsvorsitzende Christian Reichert hatte alle Mühe, die erregten Fan-Gemüter zu beruhigen.


    Jara wurde vorsichtshalber per Handy informiert, im Sicherheitsbereich des Stadions zu bleiben. Als Busfahrer Jürgen Ahlert sein Gefährt eine Stunde nach Spielschluss doch zum Kabinenausgang fahren konnte, folgten die Fans im Gleichschritt. Die folgenden Szenen wirkten skurril: Während Jara einigen HSV-Anhängern Autogramme gab, hallte ihm aus weniger als fünf Metern die pure Ablehnung entgegen. Zum Abschied des HSV-Trosses formulierten die Fans ihren 70-Minuten-Gesang um: "Wir wolln Hackmann nie mehr sehn, oh wie wär das wunderschön."


    Die Stimmung in und um den HSV wirkt dieser Tage explosiv. Daran konnte auch der fußballerische Aufwärtstrend in Bielefeld nichts ändern. Zu oft schon erzählte Jara wie auch diesmal von einer "Leistung, die stimmte, die Auftrieb und Selbstvertrauen geben muss". Der Trainer weiß selbst, dass die Geduld von Spiel zu Spiel geringer wird, der Frustpegel stetig steigt und sich die Stimmen gegen seine Person mehren. Nur Punkte helfen.


    So bitter es ist: Beim HSV herrscht die pure Ratlosigkeit. Sogar Sportchef Dietmar Beiersdorfer hat dieser Virus schon infiziert. Bei seinem Kommentar nach dem 1:2 jagte eine Phrase die nächste. Tendenz: bloß nicht zu kritisch, bloß nicht zu negativ, bloß keine neue Unruhe.


    Dabei hätten die Verantwortlichen die Partie auf der Alm kurz und präzise zusammenfassen können: Der HSV dominierte das Spiel 70 Minuten lang, zeigte aber erhebliche Defizite im Offensivbereich und ließ erneut das Fehlen eines Spielmachers deutlich werden. Zwei individuelle Fehler (Pieckenhagen, Baur) bedeuteten zwei Gegentreffer, die Schlussoffensive wurde durch Barbarez' Platzverweis verhindert. Und am Ende konnte der HSV froh sein, bei zahlreichen Kontern der Bielefelder nicht noch deutlich mehr Gegentreffer kassiert zu haben.


    "Auf Grund unserer Spielweise tut diese Auswärtsniederlage mehr weh als die vier zuvor", bilanzierte Jara. Der HSV steuert wieder auf Kurs Tabellenkeller, das Verhältnis zu den Fans ist stark angeschlagen, und die Zukunftsaussichten sind düster. Am Sonnabend wartet Borussia Dortmund im Westfalenstadion. Das Spielmotto der Ratlosen steht schon fest: Beim Meister kann der HSV befreit aufspielen. Wenn nicht in Dortmund, wo dann?



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    Barbarez und seine "Dummheit" 
    Nur er selbst blieb uneinsichtig


    Bielefeld - Sergej Barbarez brodelte immer noch, als er die HSV-Kabine verließ. Auch lange nach seinem Platzverweis war der Bosnier gereizt. ZDF-Reporter Tibor Meingast verweigerte er unwirsch ein Interview und ließ ein aggressives Wortgefecht folgen. Der HSV-Profi war angefressen, voller Frust und Wut. Später stellte sich der Gelb-Rot-Sünder und kommentierte seinen Auftritt auf der Alm.


    "Ich habe versucht, an den Ball zu kommen, der Torwart ist rausgekommen, mehr nicht. Das ist eben ein Männersport, bei dem es auch Körperkontakt gibt", beschrieb Barbarez seine letzte Aktion aus der 72. Minute. "Wenn man bei so einer Szene Gelb zeigt, dann spielen wir bald immer mit sechs gegen sechs. Ich hatte ohnehin das Gefühl, dass der Schiedsrichter nur darauf wartete, mich vom Platz zu stellen."


    Mit dieser Einschätzung und Schuldzuweisung stand der Nationalspieler allerdings allein da. HSV-Boss Werner Hackmann merkte an: "Auch wenn der Platzverweis in dieser Situation nicht berechtigt war, so hat Sergej Barbarez den Schiedsrichter doch so lange provoziert, dass er sich nicht über die Folgen wundern darf." HSV-Trainer Kurt Jara sprach von einer "Dummheit" und ergänzte: "Sergej hat den Torwart attackiert, obwohl er keine Chance hatte, an den Ball zu kommen." Das sahen Sportchef Dietmar Beiersdorfer und sogar Barbarez-Berater Jörg Neubauer ähnlich.


    An Barbarez' mangelnder Einsicht änderte das wenig. "Wenn es das Problem wäre, dass wir wegen meines Platzverweises verloren hätten, würde ich mich entschuldigen. Das war es aber nicht", sagte er und widmete sich lieber dem aus seiner Sicht schwachen Schiedsrichter: "Seine arrogante Art und Weise hat mich aufgeregt. Mit dem konnte man nicht vernünftig reden."


    Über seinen spektakulären Abgang vom Rasen, bei dem er sich verbale Duelle mit Zuschauern lieferte und immer wieder aufs HSV-Logo seines Trikots deutete, sagte die Nummer 14: "Ich wurde mehrfach beleidigt, darauf habe ich reagiert. Außerdem habe ich verdeutlicht, dass ich mit Herz und Seele bei diesem Verein bin."


    Vielleicht sogar zu sehr. "Seit ich aus Donaustauff zurück bin, nehme ich Tabletten und spiele trotz Knieschmerzen. Ich gebe alles für den HSV, auch wenn es manchmal vielleicht besser wäre, wegen der Verletzung nicht aufzulaufen. Andere trainieren die ganze Woche und melden sich dann kurz vorm Spiel ab", erklärte Barbarez. Ein Seitenhieb auf Raphael Wicky, der wegen eines Fersensporns in Bielefeld ebenso wie der angeschlagene Stephan Kling kurzfristig passen musste.


    Das Kapitel Barbarez wird den HSV weiter beschäftigen. Den Bosnier erwartet zwar keine Geldstrafe, aber seine Vertragsverhandlungen sollen thematisiert werden. Der Kontrakt soll möglichst vor der Winterpause verlängert werden. Neubauer: "Wir werden bald wieder Gespräche mit dem HSV führen." cp



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    Aktivposten Benjamin 
    Pieckenhagen: Das 0:1 ging auf seine Kappe, er wirkte ohnehin nicht immer souverän.


    Fukal: Gegen den quirligen Vata halfen ihm oft nur Fouls. Sein Offensivspiel war zu durchschaubar.


    Hoogma: Fiel an seinem 34. Geburtstag kaum auf. Solide.


    Ujfalusi: Unauffällig.


    Hollerbach: Engagiertes Comeback mit durchwachsenen Standards.


    Benjamin: Aktivposten, Ideengeber, einer der Besten.


    Ledesma: Übernahm stets die Initiative, ließ sich auch von Fehlern nicht entmutigen.


    Baur: Leistete sich viele Fehler und vor dem 0:2 eine Katastrophengrätsche. Schwach.


    Kitzbichler: Das war nichts.


    Meijer: Beherzter Kämpfer, Torschütze und wegen ständiger Bodennähe bald ein Rasenfachmann.


    Barbarez: Schwächte sein Team durch eine unüberlegte Aktion, fiel aber auch vorher selten positiv auf.


    Romeo: Setzte sich zu selten durch. Blieb blass.



    http://www.abendblatt.de

  • Vorschlag für einen neuen HSV-Namen | 28.10.2002


    Auswärts - Schlappen - Verein 
    Kein Team in der Bundesliga ist auf fremden Plätzen derzeit so schlecht wie der HSV.


    Fünf Reisen, null Punkte – seit sieben Monaten warten die Fans auf Zählbares in der Ferne. Auch bei Aufsteiger Arminia Bielefeld war nichts zu holen. 1:2! Anstatt auf die UEFA-Cup-Ränge zu schielen, bietet sich dem HSV nach der Talfahrt auf der Alm wieder freier Kellerblick. Aber wieso noch HSV? ASV wäre besser – Auswärts-Schlappen-Verein. Was hatte Trainer Kurt Jara den vielen treuen Fans versprochen? „Wir beenden die Serie hundertprozentig“, lauteten die Worte des Österreichers – und deshalb waren erneut über 2500 Anhänger dem Krisenklub ins Westfälische gefolgt. Vergeblich. Ja, es war eine Leistungssteigerung. Ja, es wurde gekämpft. Aber sollte das nicht selbstverständlich sein? „Dass die Mannschaft nicht gekämpft hat, kann man ihr nicht vorwerfen“, erkannte Klubchef Werner Hackmann. „Das Team hat gezeigt, dass es um jeden Meter kämpft“, sagte Jara. Bielefeld gewann trotzdem 2:1.
    Trotz der sicher knappen Niederlage sprachen alle Beteiligten übereinstimmend „vom besten Auswärtsspiel des HSV in dieser Saison“. Wie bitter und erschreckend, wenn ebendieses beste Spiel dem HSV nicht wenigstens ein Pünktchen einbringt. Am kommenden Sonnabend geht es zum Meister nach Dortmund…


    Jara nahm „nach dieser Auswärtsleistung“ Hoffnung mit – und die Angst um seinen Job. Keine Punkte in Dortmund, das hieße für den ‘ASV’, dass das Heimspiel gegen 1860 München gewonnen werden muss. Reicht’s dann nicht wieder zu einem ‘Dusel-Heimsieg’, geht es dem Trainer an den Kragen, sonnenklar.


    Die „Jara-Raus“-Rufe einiger Fans hatte der Coach noch gar nicht gehört, als er meinte: „Wenn du verlierst, wird es in Hamburg immer Diskussionen um den Trainer geben.“ Richtig, denn er ist verantwortlich für die Fehler Pieckenhagens, die Aussetzer von Barbarez oder die indiskutable Leistung von Baur. Es hilft niemandem, wenn die kämpferische Einstellung stimmt, oder?



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    Harter Tobak | 28.10.2002


    Der blinde Frust von Barbarez 
    Der Bosnier ist mit Herz dabei – und fliegt vom Platz


    Was soll der Scheiß? Bleiben Sie ganz locker! Halts Maul, man! Wir können uns auch draußen vor dem Stadion wiedertreffen!“ – Uff, was sich ZDF-Reporter Tibor Meingast mit seinem Kameramann so alles von Sergej Barbarez anhören musste. Nur, weil sie weiter filmten, obwohl der Bosnier ein Interview abgelehnt hatte. Das war ganz schön harter Tobak. Wie Barbarez zuvor auf dem Platz seine Gelb-Rote Karte nach wiederholtem Meckern und einem überflüssigen Bodychek provozierte, war ganz schön dumm. Wie Barbarez 70 Minuten Fußball spielte, war ganz schön schlecht.
    Es bleibt nichts anderes übrig, als mit dem Gescholtenen sehr hart ins Gericht zu gehen. Nein, falsch. „Die Sache hat doch gezeigt, dass man mit Herz bei der Sache ist“, sagte Barbarez zum Vorwurf, sich mit dem Schiri unnötig angelegt zu haben. „Wenn Leute keinen Respekt davor haben, dass ich keine Interviews gebe, dann halte ich dagegen“, entgegnete der Bosnier zum Streit mit dem ZDF-Mann. Zu seiner Leistung referierte der 31-Jährige allerdings nicht. Soll heißen: Die war schlecht, damit bin ich einverstanden. Während sich alle Verantwortlichen – wohl nach Entschuldigungen suchend – damit beeilten, zu erklären, dass die Gelb-Rote Karte gerecht und unnötig war, diskutierte Barbarez (als einziger HSV-Spieler) schon längst mit den Fans vor dem HSV-Bus. Die Ausraster bereits abgehakt.


    „Dummes Rot“, urteilte Kapitän Hoogma über die Hinausstellung des Kollegen. „Klar hat sein Platzverweis unseren Ausgleichsbemühungen geschadet“, befand Sportchef Beiersdorfer. „Ich gaube nicht, dass mein Feldverweis etwas mit unserer Niederlage zu tun hat“, hielt Barbarez dagegen. Das klingt doch etwas blasiert. Trainer Jara hält nichts von Strafen. Er will morgen mit dem Sünder „ausführlich sprechen“. Das ist zweifellos eine Schuldzuweisung.


    Ist Barbarez nun schuld, oder ist er einfach unglücklich das Opfer seiner selbst geworden? Der Leidtragende eigenen, blinden Frustes? Es scheint, als habe sich beim bärbeißigen Bosnier der ganze Verdruss der vergangenen Wochen mit dem HSV entladen – auf dem Platz, beim Schiri, beim Reporter.



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    HSV-Fans proben den Aufstand | 28.10.2002


    »Ihr könnt mich alle mal« 
    Von Jens Friesendorff


    Martin Pieckenhagen kann die Reaktion der frustrierten Anhänger nicht verstehen


    Die Fans würden langsam ungeduldig werden, und er könne das ja irgendwie auch verstehen. Es schien gestern Morgen nach einem 45-Minuten-Waldlauf der HSV-Profis so, als hätte Trainer Kurt Jara noch nicht ganz begriffen, was sich nach dem fünften verlorenen Auswärtsspiel in Bielefeld abspielte. Einige Anhänger des HSV probten den Frust-Aufstand, blockierten den Mannschaftsbus, wollten so die Spieler zur Rede stellen. Das gab es beim HSV so noch nie.
    Rund 40 Fans bauten sich vor der rollenden Trutzburg auf. Seit der Krise am Ende der Ära Pagelsdorf hat das millionenschwere Gefährt werbebannerverklebte Scheiben, durch die der Fan nicht mehr in die Gesichter der Profis schauen kann. Doch diesmal mussten die Spieler ihren Fans in die Augen gucken. Fast eine Stunde dauerte die Bus-Blockade, dann schaffte es Vorstandsmitglied und Ex-Fan-Beauftragter Christian Reichert, zumindest einige Spieler zum Spießrutenlauf zu bewegen. Nur Reicherts Verhandlungsgeschick war es zu verdanken, dass die Lage nicht eskalierte. Der Einsatzleiter der Polizei hatte sich schon auf die „Räumung des Geländes“ eingestellt, sollte kein Profi bereit sein, sich zu stellen.


    Einige kamen. Andere, wie Kapitän Nico Hoogma („Ein Fan guckt nicht objektiv und sieht die Leistungssteigerung nicht. Bei den Fans spricht nur das Herz“), mogelten sich unerkannt hinter das sichere Busglas. Dabei blieb alles friedlich. „Ich kann die Fans verstehen“, sagte Sergej Barbarez und stellte sich der Menge. „Fährst du mit uns im Sonderzug nach Dortmund, Sergej. Da musst du aber früh aufstehen“ – „Das geht nicht, ich muss mit der Mannschaft im Bus fahren.“ Müsste er nicht, weil er gesperrt ist. Sie wollten nur reden.


    Doch die ängstlichen Spieler wollten ihre Fans nicht verstehen. Hatten sie nicht gerade „unser bestes Auswärtsspiel abgeliefert und gekämpft“? Sie hatten verloren. Schon fünf Mal begleiteten sie die Fans unter Geld- und Zeitaufwand zu Auswärtsspielen. Sie haben immer verloren. „Nach so einer Leistung kann ich die Reaktion der Fans nicht nachvollziehen“, wunderte sich Torwart Martin Pieckenhagen.


    „Wir sind Hamburger und ihr nicht“, ließen sich die Blockierer zwischendurch hinreißen. Wie der HSV-Keeper. Von einem „Fliegenfänger“-Ruf provoziert, verlor er die Fassung: „Ihr könnt mich alle mal!“ Keine netten Worte in Richtung von Anhängern, die vielleicht nicht objektiv sind, aber mit dem Verein immer durch dick und dünn gehen. „Dass unsere Fans enttäuscht sind, ist zu verstehen“, sagte Sportchef Beiersdorfer und stellte sich auch. Dass er den „Mut“ hatte und zum besetzten Bus kam, beruhigte die Fans schon.


    Klubchef Hackmann ließ sich dagegen trotz lautstarker Forderungen ebensowenig blicken wie Trainer Kurt Jara. Der kniff. Für ihn musste der Bus später bis fast 50 Zentimeter vor die Kabine fahren. Die „Jara-Raus“-Rufe begleiteten ihn dafür bis vor die Stadiontore. „Mein Gefühl ist gut“, sagte Jara gestern – er meinte die sportliche Entwicklung…



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    HSV-Geflüster | 28.10.2002


    »Wehli« vor Wechsel nach Edinburgh 
    Der Keeper absolviert Probetraining in Schottland / Sorge um Wicky


    Beim HSV ist er nur noch Keeper Nummer vier. Jetzt gibt es für Carsten Wehlmann Licht am Ende des Tunnels. Gestern Abend flog der 30-Jährige nach Schottland, absolviert bis zum Ende der Woche ein Probetraining beim Erstligisten Hibernians Edinburgh. Wenn Wehlmann (noch Vertrag bis zum 30. Juni 2003) einen guten Eindruck hinterlässt, könnte er schon in der Winterpause wechseln. „Er hat sich hier immer korrekt verhalten. Wir würden ihm sicher keine Steine in den Weg legen“, sagt Sportchef Dietmar Beiersdorfer.
    Nach sechs Wochen Abstinenz feierte Bernd Hollerbach (rutschte für den angeschlagenen Stephan Kling rein) auf der Alm sein Comeback. Kurt Jara dazu: „Holler hat genau das gespielt, was ich von ihm erwartet habe.“ Gestern führte der Coach mit dem Routinier noch ein Einzelgespräch. „Wir haben unter Männern geredet. Die ganze Sache ist vergessen. Ich war nie nachtragend“, so Hollerbach.


    Sorge um Raphael Wicky. Der Schweizer musste wegen einer Sehnenentzündung im linken Fuß kurzfristig passen. „Ich habe das schon seit ein paar Wochen gespürt, aber am Spieltag wurden die Schmerzen immer stärker.“ HSV-Doc Gerold Schwartz hat drei Tage Ruhepause verordnet. Am Mittwoch will Wicky wieder ins Training einsteigen. „Ich hoffe, dass ich Sonnabend gegen den BVB wieder auflaufen kann.“ Das wird eng.


    Besser sieht es für Christian Rahn aus. Der Mittelfeldmann (Jara: „Seine Standards haben uns gefehlt“) bekam einen Pferdekuss von Christoph Dabrowski verpasst, musste danach vom Platz. Rahn: „Mitte der Woche wird es wieder gehen. Die Schmerzen laufen sich raus.“


    Trotz der Sperre von Sergej Barbarez wird Rodolfo Cardoso wohl nicht zum Dortmund-Kader gehören. „Ausgeschlossen ist nichts“, meint Jara. „Aber der Grundsatzgedanke ist, dass er bei den Amateuren spielt.“



    http://www.mopo.de

  • Momo und die grauen Männer
    Mamadou Diabang verleiht Arminia Bielefeld beim 2:1 gegen schwache Hamburger ein wenig Glanz


    Bielefeld – Irgendwann schaute Mamadou Diabang leicht verstohlen auf seinen silbrig-glänzenden Chronometer. Zehn Minuten hatte er sich der erwartet devoten Pressemeute gestellt, die gekommen war, um den Senegalesen zu loben und zu preisen. Diabang hatte dann doch genug. Ein letztes neckisches Lachen – und Abgang. Vielleicht, argwöhnten einige später, muss er auch nur seinen Bus kriegen. Eine lustige Vorstellung bei den bekannt horrenden Gehältern, der Vorstellung von Porsche und schönen Frauen.


    Diabang hat zumindest keinen Wagen. Der quirlige Angreifer, mit seinen zwei Treffern beim 2:1 (1:0) gegen den Hamburger SV der Garant für den vierten Heimsieg der Arminen, hat außerhalb des Platzes zurzeit größere Problem als auf dem Rasen. „Drei oder vier Mal“ ist er bisher durch die theoretische Führerschein-Prüfung gefallen, und jetzt „hab ich einfach keinen Bock mehr“.


    Wieso auch, schließlich würden sich in Ostwestfalen momentan ohne Probleme genügend Menschen zusammen finden, die eigens einen individuellen Shuttle- Service für den 23-Jährigen organisieren könnten. Diabang nämlich ist nicht erst seit dem Spiel vom Samstag die positivste Überraschung beim Aufsteiger. „Ich habe allen schon vor der Saison gesagt: Vergesst den Momo nicht“, belobigte Trainer Benno Möhlmann den Stürmer – und sich selbst.


    Dabei konnte sich der Coach nicht dazu durchringen, den mit nunmehr fünf Treffern erfolgreichsten Bielefelder Torschützen schon von Beginn an auf den Rasen der Bielefelder Alm zu schicken. „Das liegt an der Taktik“, verzieh Diabang seinem Trainer klaglos die erneute Nicht-Berücksichtigung. Erst als Ansgar Brinkmann nach gut zehn Minuten wegen eine Wadenprellung gen Seitenlinie humpelte, hatten sich Diabangs Wünsche erfüllt. „Vor dem Spiel bete ich immer zu Gott, dass ich ein gutes Spiel mache“, erzählte der gläubige Moslem anschließend. Es muss ein überzeugendes Gespräch gewesen sein.


    Denn die Abstinenz jeglicher Eingewöhnungszeit war beachtlich. Er hatte gerade erst sein Trikot ordnungsgemäß in der Hose verstaut, die Stutzen noch mal zurecht gezogen, als Christoph Dabrowski derart geschickt flankte, das Diabang seinen Gegenspieler Michael Baur düpierte und zum 1:0 einköpfte (14.). Auch der Treffer zum 2:0 (57.) erzielte der 1,80 Meter große Angreifer mit dem Kopf. Nun gut, sein Gegenspieler hieß Christian Raul Ledesma, mit seinen 1,78 Meter nicht gerade ein Hrubesch-Ahn. Aber, so der Doppel-Torschütze, „mit dem Kopf bin ich einfach gut. Das war überhaupt keine Überraschung.“


    So erquicklich sein eigener Auftritt war, so solide bis trist präsentierte sich der Rest des Teams. Mit reichlich Einsatz, aber langer Zeit dürftiger spielerischer Note versuchte der Aufsteiger, die Partie zu führen „Wir sind halt nicht perfekt“, flüchtete sich Detlev Dammeier in Galgenhumor. Die Arminen zeigten auch gegen den wenig überzeugenden Gast ihre penetrante Neigung, sich der Spielgestaltung zu verweigern wie die Pferde dem Sprung über Pulvermanns Grab. „Wenig Entlastung, wenig kontrollierte Bälle, wenig Torchancen“, resümierte Trainer Möhlmann. Er tat es leichten Herzens, schließlich hat seine Elf erneut den vollen Ertrag eingestrichen.


    14 Zähler hat das Team nach zehn Spieltagen nun auf dem Punktekonto. Umso beachtlicher, weil die Elf die Partien bei den Bayern, in Dortmund, gegen Schalke 04 oder Hertha BSC Berlin schon absolviert hat. Die kommenden Aufgaben mit den Spielen gegen Nürnberg und Cottbus dürfte den Bielefeldern nun eigentlich Anlass zu verhaltenem Optimismus geben. Doch Gedanken an mögliche tabellarische Optionen verbieten sie sich in Bielefeld glaubhaft. „Wir sind Aufsteiger und werden in dieser Saison in keine Partie mehr als Favorit ins Spiel gehen“, sagte Dammeier. Auch Diabang gilt beim fünften Versuch nur als Außenseiter.


    Dirk Graalmann


    http://www.sueddeutsche.de

  • Bielefeld: Möhlmann legt sich noch nicht fest - 28.10.2002 11:24


    Diabang: Joker oder Stammplatz?

    Gegen Schalke überzeugte er - und war danach in Gladbach Ersatz. In Dortmund überzeugte er wieder - und war gegen den HSV Reserve. Hält diese Serie, erlebt Mamdou Diabang auch bei 1860 den Anstoß nur von der Bank aus. Oder darf der Joker nach seinem Doppelpack gegen den HSV in München von Beginn an ran?


    Benno Möhlmann will sich noch nicht festlegen. "Ich weiß es noch nicht", behauptet der Coach. Diabangs Wechsel zwischen Bank und Startelf hat meist taktische Gründe. Möhlmann fordert von dem 23- Jährigen mehr Konstanz, lobt ihn aber auch: "Nach Fehlern verliert er nicht mehr sein Selbstbewusstsein und fängt sich von alleine."


    Der Senegalese, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, geht mit dem Pendler-Dasein zwischen Bank und Feld "sehr gut um", bescheinigt ihm sein Coach. "Das ist kein Problem", versichert auch der schnelle Angreifer. Kein Wunder, so lange seine Joker-Einsätze so wie am Samstag verlaufen.


    Quelle: http://www.kicker.de

  • Der fühlt sich wohl ziemlich wohl. Wo soll er auch anders hin? Der kommt ja schliesslich nicht weg? Laut NW-Ziat von heute bzw gestern hat er immernoch nicht den Führerschein!


    Flori mir fällt gerade auf, dass mein Kumpel (auch Armine) am selben Tag geboren wurde wie du, nur so by the way.


    Gruss
    x-man

  • Flori mir fällt gerade auf, dass mein Kumpel (auch Armine) am selben Tag geboren wurde wie du, nur so by the way.


    Gruss
    x-man
    [/QUOTE]


    Echt? Wo kommt er denn her? Ich habe hatte mal einen Nachbarn der einen Tag nach mir geboren ist, aber am selben Tag, da kenn ich keinen

  • Aus Dünne!
    Dünne ist ein kleines Dorf das einen Stadtteil Bündes bildet. -Bünde! du weisst schon die namenhaften bekannten Städte: Berlin-Bonn-Bünde ;)


    Gruss
    x-man

  • Zitat

    Original von x-man
    du weisst schon die namenhaften bekannten Städte: Berlin-Bonn-Bünde ;)


    Falsch, es muß heißen: Berlin-Bonn-Bunde :)


    Schließlich leben wir ja nicht in einer Bünderepublik ... *brrrrrrr*


    Bunde ist übrigens von WHV aus der letzte Ort vor der holländischen Grenze. Der Grenzübergang auf der anderen Seite ist dann Nieuweschans.


    Bunde dürfte nach Schließung der Zollstation kaum noch mehr als 3.000 Einwohner haben. Da kommt selbst Bünde nicht mehr ganz äh mit.. ;)

  • Gespräche die nicht zu den Artikeln sind oder selber keine Artikel über das Thema beinhalten bitte per PN oder ins Off Topic.


    Danke!

    Arminia Bielefeld - Stadion Alm
    Tradition & Identität erhalten!

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